Jan Šinágl angažovaný občan, nezávislý publicista

   

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„Komunismus znamená v pravém a úplném smyslu bludné učení, že nikdo nemá míti žádné jmění, nýbrž aby všechno bylo společné, a každý dostával jenom část zaslouženou a potřebnou k jeho výživě. – Bez všelijakých důkazů a výkladů vidí tedy hned na první pohled každý, že takové učení jest nanejvýš bláznovské, a že se mohlo jen vyrojiti z hlav několika pomatených lidí, kteří by vždy z člověka chtěli učiniti něco buď lepšího neb horšího, ale vždy něco jiného než je člověk.“

Karel Havlíček Borovský ve svém časopise „SLOVAN“ 26.7.1850


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Jan Šinágl,
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Die Masin-Brüder kämpften einst mit Gewalt gegen den Kommunismus. Nun streiten die Tschechen über die Moral im Widerstand. Ein neues Gesetz soll Widerstandskämpfern eine würdige Rente bescheren.

 

 

Im Oktober 1953 löste die DDR-Volkspolizei die größte Fahndungsaktion ihrer Geschichte aus. Sie endete trotz aller Bemühungen in einem Desaster. Bis zu 15 000 Polizisten und einige Tausend in der DDR stationierte Rotarmisten waren Schätzungen zufolge hinter fünf Tschechen her, die sich aus ihrer Heimat nach West-Berlin durchzuschlagen versuchten: die Brüder Ctirad und Josef Masin, Zbynek Janata, Vaclav Sveda und Milan Paumer. Bei einer nächtlichen Personenkontrolle auf dem Bahnhof des sächsischen Uckro wehrten sich die fünf mit Waffengewalt gegen ihre Festnahme, erschossen einen Polizisten und verletzten zwei weitere schwer. Während der eingeleiteten Großfahndung schossen die Volkspolizisten auf alles, was sich bewegte, nahmen dabei versehentlich auch Kollegen und Unbeteiligte unter Feuer. Fünf Tote waren die Folge. Janata und Sveda wurden gestellt, die anderen drei erreichten, auch durch Hilfe aus der Bevölkerung, nach 31 Tagen Flucht den amerikanischen Sektor in Berlin. Die Volkspolizei schwieg die Sache tot. An der Moskauer Polizeihochschule diente sie später als Paradebeispiel für verfehlte Polizeitaktik. Die Geschichte der Masins beschäftigt jetzt - mehr als ein halbes Jahrhundert später und 20 Jahre nach dem Ende des Kommunismus - wieder deren Heimatland. Denn bei ihnen handelte es sich um ganz besonders robuste Widerstandskämpfer und nun, wo ihr Anführer Ctirad in den USA verstorben ist, fragen sich die Tschechen: Soll man sie ehren? Und wenn ja - wie?

In der frühen Tschechoslowakei hatten die Masin-Brüder und ihre Mitstreiter für Aufregung gesorgt und mit Sabotageakten gegen das kommunistische Regime gekämpft. Sie überfielen Polizeistationen, um in den Besitz von Waffen zu kommen, außerdem Geldtransporter, ja einen Zug mit dem stalinistischen Präsidenten Klement Gottwald an Bord wollten sie in die Luft sprengen. Sie zündeten reihenweise Scheunen an, um gegen die Kollektivierung der Landwirtschaft zu protestieren.

Die Aufsässigkeit lag in der Familie. Ctibor und Josef Masin hatten einen Volkshelden zum Vater. Josef Masin senior gehörte zum Widerstand gegen die nationalsozialistischen Besatzer und wurde nach dem Attentat auf Hitlers Prager Statthalter Reinhard Heydrich hingerichtet. Als die beiden Söhne erlebten, wie der stalinistische Terror der 50er-Jahre in der Tschechoslowakei tobte, wie etwa die Demokratin Milada Horakova - eine Freundin der Familie Masin - in einem Schauprozess zum Tode verurteilt wurde, entschlossen sie sich zum bewaffneten Widerstand.

Von West-Berlin aus gingen sie später in die USA. Am vergangenen Samstag, ausgerechnet dem Jahrestag des Mauerbaus, ist dort Ctirad Masin gestorben. Sein Tod hat unter den Tschechen erneut die Frage aufkommen lassen, wie mit dem "Dritten Widerstand", dem gegen den Kommunismus, umzugehen ist.

Das Land ist in dieser Frage seit Langem gespalten. Die post-kommunistischen Präsidenten Vaclav Havel und Vaclav Klaus lehnten es wiederholt ab, die Masin-Brüder mit Orden auszuzeichnen. Sie folgten damit der Mehrheitsmeinung in der Bevölkerung, dass es sich bei ihnen um Terroristen und Mörder gehandelt habe. Dagegen zeichnete Regierungschef Mirek Topolanek die Masin-Brüder bei einem Besuch in den USA mit einer eigens gestifteten Ehrenmedaille aus. Auch der jetzige Premier Petr Necas würdigte jetzt aus Anlass des Todes von Ctirad die Brüder als Helden, derer man sich in Ehrfurcht erinnern sollte.

Juristisch wurden die Masin-Brüder 1995 in Tschechien rehabilitiert; ihre Taten seien verjährt. Die Brüder sahen das jedoch nur als "Freispruch zweiter Klasse", wollten als Widerstandskämpfer anerkannt werden. Dass ihnen das verwehrt wurde, war einer der Gründe, weshalb sie nie wieder Heimatboden betreten haben, auch nicht zur Beerdigung von Milan Paumer, der vor einigen Jahren nach Prag zurückgekehrt war. Es habe sich nichts verändert in Tschechien, sagten die Masins. Noch immer gebe es dort Kommunisten und eine Kommunistische Partei, die unzählige Verbrechen zu verantworten habe.

Für den Publizisten Karel Hvizdala geht es bei der Debatte über die Masin-Brüder nur oberflächlich darum, ob sie Mörder oder Helden waren: "Eigentlich geht es um die Erkenntnis, dass jeder, der nichts gegen ein totalitäres System unternimmt, mitschuldig ist. Und das will im heutigen Tschechien niemand hören", sagt er.

Das lange Tauziehen hat dazu geführt, dass es mehr als zwei Jahrzehnte nach der "Wende" gebraucht hat, bis vor wenigen Wochen vom Parlament ein Gesetz über den antikommunistischen Widerstand verabschiedet wurde. Auch da wurde von einer heimlichen "Lex Masin" gesprochen, einem Weg, Mörder zu Helden zu machen. Einer der Autoren des Gesetzes, der Senator Jaromir Stetina, sieht es praktischer: "Die wenigen Überlebenden des antikommunistischen Widerstandes sollen würdige Bedingungen für ihren Lebensabend bekommen. Im Gegensatz zu ihren einstigen Peinigern aus den Reihen der Staatssicherheit leben sie oft genug in Armut."

Kritikern, die sagen, das Gesetz interpretiere die kommunistische Ära einseitig, antwortet Stetina: "Vielleicht wäre es nicht schlecht, ein für allemal festzuhalten, dass dieses System verbrecherisch war."

Sollte das Gesetz von Präsident Klaus unterzeichnet werden, tritt es zumindest symbolisch an einem besonderen Tag in Kraft: dem 17. November, dem Tag, an dem 1989 die Revolution gegen das alte Regime begann. Dass der emotionale Streit in Tschechien über den antikommunistischen Widerstand damit enden wird, ist aber kaum anzunehmen.

 

http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article13548997/Terroristen-oder-Helden.html

 

P.S.

Die Geschichte der Masin Brüder, deren Widerstand sich gegen die Verbrechen der kommunistischen Diktatur richtete, wird häufig darauf fokussiert, dass ihr Widerstand Menschenopfer forderte, weil sie zur Rettung des eigenen Lebens von der Waffe Gebrauch machten. Das ist verständlich. Ausgeblendet werden aber die Schicksale der Opfer des Kommunismus, die sie abzuwenden versuchten und ihre persönlichen grausamen Erfahrungen mit diesem Regime. Wer weiß z.B., dass  die Mutter des Verstorbenen bei kalten Januar-Temperaturen, in nacktem Zustand auf Beton, in einer Gefängniszelle ohne Heizung und ohne ärztliche Hilfe bei offenem Fenster  einen qualvollen Tod erleiden musste? Und dass sie dann mit 34 Neugeborenen in ein Loch geworfen wurde?  An dieser Stelle, auf dem Friedhof  im Prager Viertel Dablice (frei übersetzt "Teufelsplatz"),  befindet sich heute eine Gedenkstätte.  Mitglieder der Kommunistischen Partei haben zweifellos auch in diesem Fall ihren Eid erfüllt. Sie hatten ja geschworen, ihrer Partei auf Leben und Tod zu dienen. Es bleibt abzuwarten, ob sich nach dem Tod von Ctirad Masin eine gesellschaftliche Diskussion entwickelt, über den Handlungsspielraum der Legitimität eines  antikommunistischen Widerstandes im Fall eines staatlichen Notstands. Um eine Meinung zu finden, muss man sicherlich die Brutalität, mit der das  kommunistische Regimes gegen unbewaffnete Bürger vorging und willkürlich deren Leben zerstörte in die Waagschale legen - es war ein Krieg gegen die eigenen Bürger!

Jan Šinágl, 21.August 2011

 

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