Jan Šinágl angažovaný občan, nezávislý publicista

   

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OS Praha 6: kauza JUDr. Zdenka Altnera

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„Komunismus znamená v pravém a úplném smyslu bludné učení, že nikdo nemá míti žádné jmění, nýbrž aby všechno bylo společné, a každý dostával jenom část zaslouženou a potřebnou k jeho výživě. – Bez všelijakých důkazů a výkladů vidí tedy hned na první pohled každý, že takové učení jest nanejvýš bláznovské, a že se mohlo jen vyrojiti z hlav několika pomatených lidí, kteří by vždy z člověka chtěli učiniti něco buď lepšího neb horšího, ale vždy něco jiného než je člověk.“

Karel Havlíček Borovský ve svém časopise „SLOVAN“ 26.7.1850


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Ein Gespräch mit Jiří Grůša über das deutsch-tschechische Verhältnis (18.1.2007)

In der „Deutsch-Tschechischen Erklarung" vom 21. Januar 1997 brachten die Regierungen Deutschlands und Tschechiens unter anderem zum Ausdruck, dass „der gemeinsame Weg in die Zukunft ein klares Wort zur Vergangenheit erfordert". Bis heute stellt diese Erklärung - zusammen mit dem 1992 ge-schlossenen „Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit" - die politische Grundlage fiir ihre gegenseitigen Beziehungen dar. Als tschechischer Botschafter in Deutschland spielte Jiří Gruša eine zentrale Rolle bei deren Ausarbeitung. Im Januar 2007 gab der im vorigen Monat verstorbene Schriftsteller und Bürgerrechtler im Gespräch mit Marcus Hundt einen Einblick in die Diplomatenküche des zurückliegenden Jahrzehnts.

Herr Gruša, wie gestalteten sich die ersten Schritte auf dem Weg zum Freundschaftsvertrag von 1992?

Gruša: Es hat genau ein Jahr gedauert, bis die tschechische Botschaft in Bonn - und allgemein die tschechische Politik Deutschland gegenüber - nicht auf die Deutschland-Spezialisten zurückgreifen wollte oder musste, die in ihren national-kommunistischen Denkmustern verhaftet waren. Ich war der erste Nicht-Kommunist, der dem Bundespräsidenten seine Akkreditierung überreichen konnte - im Januar 1991! Wir Dissidenten haben zwar eine praktikable Vorstellung über die Ordnung der Dinge, aber keine ordentliche Machtpraxis. So ist das gestaltungsreichste Jahr unserer Beziehungen tschechischerseits ungenützt geblieben, zur Schadenfreude mancher Leute am Inn und zur voreiligen Zufriedenheit einiger Genossen an der Moldau. Als ich kam, war der allgemeine Freundschafts­vertrag unser diplomatischer Hauptbrocken. Er wurde begleitet von Hoffnungen an dessen Scheitern, diesmal mehr in Bratislava und München als in Prag oder Bonn. Und ich erinnere mich sehr wohl an die Sternstunde meines Diplomatendaseins, als ich das Doku­ment aus dem verwaisten Hradschin - Havel hatte soeben als Präsident abgedankt - abholen liess, um es ziemlich ungeniert dem deutschen Aufssenminister Klaus Kinkel zu übergeben. Sein neuer Prager Kollege hiesst nicht mehr Jiří Dienstbier und dachte als short-term Verwalter der Konkursmasse der alten Tschechoslowakei an andere Bierverdienste, vielleicht beim nächsten Oktoberfest. Er schlug darauf hin meine sofortige Abberufung vor, aber ich blieb länger als er.

Sie meinen den Slowaken Jozef Moravčík.

Gruša: Der auch Apparatschik heissen konnte. Moravčík gehörte zum Auswärtigen Dienst der Föderation und hatte sich fiir einen grossen Karrieresprung in Bratislava entschieden. Wäre er im Czernin-Palais (Sitz des tsche-chischen Aufienministeriums, Anm. d. Red.) geblieben, hatte er mir wesentlich länger schaden dürfen. Schon damals aber wurde deutlich, dass sich der alte Sozialismus mit dem neuen Nationalismus gut verbünden kann. Und dass die Aussöhnung überall in Europa, nicht nur also mit Deutschland, eben dort anecken wird, wo sich das Ressentiment institutionalisieren lässt oder bereits institutionalisiert wurde.

Im Freundschaftsvertrag von 1992 wurden die Belastungen aus der Vergangenheit weitgehend ausgeklammert.

Gruša: Prag war zwar bemüht, bereits im Zusammenhang mit diesem Vertrag eine breitere Entlastung der historischen Bürden vorzuschlagen. Wir dachten an einen moderierten und natürlich individuellen und zusätzlichen Erwerb der tschechoslowakischen Staatsangehörigkeit für jene, die sie einst schon hatten. Doch die Zeit war knapp, das Ende der Tschechoslowakei vorauszusehen. Und manche, wie gesagt, haben in der Geschichtskloake gewühlt. Sprachen schon wieder über das „Ende einer Fehlkonstruktion", riefen also diese Erinnerung hervor, ohne zu bedenken, dass eben die friedliche Trennung der Tschechen eine Art politisches Abitur der beiden Nationen ist.

Warum folgte die Aussohnungserklärung erst ein halbes Jahrzehnt später?

Gruša: Nach 1993 lag ein neuer Verhandlungsantrag auf dem Tisch, dem Vertrag solíte noch eine Erklärung folgen, um das vorher Weggelassene auszufüllen. Das ging aber nicht automatisch, da man in den neuen Hainen besonders der tschechischen Eigenständigkeit auch Selbstgefälligkeit übte. Was man ein Jahr zuvor mit der linken Hand hätte machen können, dafür haben wir dann zwei Jahre gebraucht, und bald stellte sich heraus, dass beide Hände sehr oft die linken waren. Darum hat es so lange gedauert - doch diese Länge garantiert die Dauerhaftigkeit des Erreichten.

Welche Erfahrungen haben Sie vor der Ausarbeitung bezüglich des Verhältnisses zwischen Tsche­chen und Deutschen gemacht?

Gruša: Was ich wirklich gelernt habe, war die postnationale Definition Europas. Da ich zehn Jahre in einer funktionierenden deutschen Demokratie gelebt habe, kann ich die tschechisch-deutschen Beziehungen anders definieren als traditionell. Seitdem wusste ich, dass eine deutsche Demokratie das sine qua non jedes tschechischen und europaischen Erfolges ist. Und dass es eine integrative Rolle für Deutschland gibt, die es endlich spielen kann. Damit habe ich mich eben von den Mopsen der nationalen Einmaligkeit unterschieden.

Welchen Stellenwert nimmt die Aussöhnungserklarung von 1997 in den heutigen Beziehungen zwi­schen Tschechien und Deutsch­land ein?

Gruša: Die Deklaration hat einen sehr wertvollen Stellenwert der Normalität. Das ist im Leben meistens so. Das Normale scheint harmlos. Ich kann es mit meinen alten, auf Tschechisch geschriebenen Gedichten vergleichen. Sie sind unlängst in einem Sammelband erschienen und wenn man sie heute durchblattert, kann man sich nur wundern, was daran zu drei Strafverfolgungen, einem Gefängnisaufenthalt und letztendlich zur Ausbürgerung führte. Das Normale war damals eben nicht normal. Und das Normale belegt man, indem man eine Norm wagt. Und die heisst „riskiere Normen auch heute".

Tschechiens RegierunsgchefMi­rek Topolánek sagte vor kurzem: „Wir Tschechen tragen so ein Gefühl in uns, dass unsere grössten Feinde die Deutschen sind..." Stellt die 97er-Erklärung lediglich eine politische Grundlage für die bilateralen Beziehungen dar, die in den „Köpfen der Menschen" jedoch nicht angekommen ist?

Gruša: Ginge es um die Köpfe der Menschen, so hatten wir dieses Zitat nicht. Der Premier beschreibt jedoch die Därme. Die Lage des Verdauungstraktes. Nichtsdestotrotz, selbst hier ist schon leichtere Kost angebracht. Um in dem Gleichnis zu verweilen: Die Erklärung von 1997 war und ist eine Art Rezept, wie man Verdauliches kocht, das keine Kopfwinde hervorruft. Denn letztendlich geht es um den tschechischen Organismus und seine immunologische Stabilität, die man auch Freiheit nennen könnte. Historisch gesehen, war der grosste Feind der Tschechen immer die eigene Weltvergessenheit. Zu diesem Thema gab es schon Satiren zu Konig Wenzels Zeiten - deutsche Satiren. Und auch unsere politischen Leistungen um den Weissen Berg herum haben ein ähnliches Echo gefunden. Falls wir nicht schon wieder zu einer Lachnummer werden wollen, sollten wir uns minimal diese vier Punkte merken: Erstens: Lieber Tscheche, vergiss nicht, die anderen haben ahnlich gelitten! Zweitens: Nimm' dich nicht tierisch ernst, drittens: Der Unterschied ist auch dein Vorteil, und viertens: Deine Sprache ist einmalig und wunderschön, aber nur für ein einziges Prozent der Menschheit.

Von der anderen Seite aus betrachtet: In Deutschland, so mein Eindruck, nimmt die Erklärung nur eine marginale Stellung ein. Der „kleine Nachbar im Osten" scheint die meisten Menschen nicht zu interessieren. Ausgenommen vielleicht für die unter Edvard Beneš vertriebenen Sudetendeutschen, deren Schicksal unter anderem die Ausarbeitung einer solchen Erklärung notwendig machte. Sehen Sie darin eine Gefahr für das Zusammenwachsen beider Nationen innerhalb der EU?

Gruša: Es gibt nicht nur eine tschechische Hybris sondern auch eine deutsche. Die Marginalisierung der kleineren Nachbarn hat eine ziemlich lange und gefährliche Tradition. Aber in der heute sich ständig verkleinernden Welt ist die Grösse eine sehr relative Bestimmung. Und falls es eine deutsche Regel der tschechisch-deutschen Beziehungen in der Jahrtausende alten Geschichte geben sollte, dann würde ich sie so formulieren: Fritz oder Spitz, pass' auf: Das, was nicht mit den Tschechen stimmt, stimmt nicht mit Europa, denn sie sind so eine Art Lackmuspapier deiner wahrhaftigen Grosse. Besser noch: einer wirklichen Wahrnehmung deiner wirkli­chen Grosse. Aber ich bin in der letzten Zeit froh zu sehen, dass die Deutschen ihre integrative Chance verstanden haben. (Interview gekürzt)

Prager Zeitung am 1.Dezember 2011

 

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