Jan Šinágl angažovaný občan, nezávislý publicista

   

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OS Praha 6: kauza JUDr. Zdenka Altnera

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Citát dne

„Komunismus znamená v pravém a úplném smyslu bludné učení, že nikdo nemá míti žádné jmění, nýbrž aby všechno bylo společné, a každý dostával jenom část zaslouženou a potřebnou k jeho výživě. – Bez všelijakých důkazů a výkladů vidí tedy hned na první pohled každý, že takové učení jest nanejvýš bláznovské, a že se mohlo jen vyrojiti z hlav několika pomatených lidí, kteří by vždy z člověka chtěli učiniti něco buď lepšího neb horšího, ale vždy něco jiného než je člověk.“

Karel Havlíček Borovský ve svém časopise „SLOVAN“ 26.7.1850


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Sudetsti_Nemci_1Bára Procházková, RESPEKT, 17.04.2011

Ein Gespräch mit dem Regisseur David Vondraček über seinen neuesten Dokumentarfilm „Sag mir, wo die Toten sind“  über die Vertreibung der Sudetendeutschen

Also, werden Sie uns sagen, wo die Toten sind?

In den ersten Nachkriegsmonaten starben bei uns ca. 30 bis 40- tausend Sudetendeutsche. Davon wurden etwa achttausend erschlagen, der Rest starb infolge einer Krankheit, wie z.B. Typhus, Unterernährung oder Traumata, oft schon hinter der Grenze in Deutschland oder Österreich. Wenn wir die Orte, wo die Gräber bereits gekennzeichnet wurden , wie z B. In Pohořelice, Teplice n.M., oder Postoloprty nicht mit einbeziehen, so verbleiben ca. dreitausend Menschen, deren Reliquien irgendwo auf den tschechischen Wiesen und Heinen verstreut sind. Es gibt unbekannte Massengräbern mit –zig Toten und  hunderte weitere Stellen,  wo jeweils weniger als 20 Tote liegen. Die meisten davon im Adlergebirge und in Nordböhmen.

Warum gerade im Adlergebirge?

Die meisten Gewalttaten geschahen in der Sowjetzone. Man sagt, während die Amerikaner dafür sorgten, dass keine Zivilisten getötet wurden, hätten die Russen, die die Nase voll hatten vom Krieg, ihren  slawischen Brüdern beim Morden freie Hand ließen. Im Adlergebirge liegen die Ortschaften weit verstreut und abseits vom Hauptgeschehen. Dort liefen viele Grenzpartisanen herum, deren Motto es war:  wenn du deinen Deutschen tötest, kann er nicht mehr in dein Haus kommen, das du ihm weggenommen hast.

Sie selbst sind im Grenzgebiet aufgewachsen. Was erfuhren Sie über die  Vertreibung in Ihrer Gegend?

Meine beiden Großmütter waren Deutsche, die eine stammte aus den Karpaten, die andere aus dem Sudetenland. Im Jahre 1938 heirateten sie tschechische Männer und zogen paradoxerweise nach dem Krieg – geschützt durch die Ehe – im Zuge der Grenzlandbesiedelung in deutsche Häuser.  Noch in den achtziger Jahren flüsterte mir meine Großmutter in gebrochenem Tschechisch zu, ich solle Niemandem sagen, dass sie eine Deutsche sei. Von ihrem Bruder, der  in die DDR ausgesiedelt war, erfuhr ich, dass sein sechs Monate altes Kind im Internierungslager gestorben war, weil seine Mutter wegen des Stresses die Milch verlor. Weiter wollte er darüber nicht reden. Diese Erzählungen konnte ich zu jener Zeit nicht verstehen. Weil man aber aus der Kindheit emotionelle Spuren in sich trägt, kam ich während meiner Arbeit darauf  zurück. Ich begriff, dass die Geschichte grau  ist und nicht schwarzweiß.

Es gibt immer weniger Zeugen der Nachkriegsgeschehnisse und die Neuzugezogenen wissen oft gar nichts darüber. Daher wird es immer schwieriger werden, die Frage, wo die Gräber sind,  zu beantworten.

Sie sehen das zu sehr  aus der Sicht eines Journalisten. Jetzt gerade sind wir erst am Anfang einer Erforschung des größten demografischen Wandels in der Geschichte Europas. Die dritte im Sudetenland lebende Generation beginnt darüber nachzudenken, dass sie vielleicht aus Rumänien stammt oder dass die Großmutter eine Slowakin aus der Ukraine ist  und sie stellt sich die Frage, warum sie in einem sudetendeutschen Haus wohnt. Die Suche danach, wer ich bin, woher ich stamme, welche Wurzeln ich habe, hält doch ewig an. Erst jetzt ist die Zeit gekommen, in der wir – frei von Ideologie – die Erlebnisse der Menschen erfahren, die in den Wirbel der Nachkriegsgeschichte hineingezogen wurden. Wir fangen an zu fragen, was Mitteleuropa ist, ob wir nicht zufällig etwas gemeinsam haben mit der Mentalität, dem Lebensstil und den Werten der Menschen, die nach dem Krieg unser Land verlassen mussten. Und wir werden vielleicht fragen, ob man daran nicht anknüpfen könnte. Die Leute fangen an zu begreifen, dass man mit dem Verschwinden der Grenzen ein tschechischer Patriot und gleichzeitig ein Mitteleuropäer sein kann und dass die Sudetendeutschen sogar unsere Freunde werden könnten. Die  Zeit wird dabei keine Rolle spielen.

Woraus er gibt sich für uns das Interesse gerade für die Nachkriegsereignisse?

Hier kreuzen sich zwei Prozesse. Die Angehörigen der ermordeten Deutschen, die jetzt 70 oder 80 sind,  bilanzieren ihr Leben und werden sich bewusst, dass ihr Vater irgendwo in Böhmen liegt. Eine ganze Generation der Vertriebenen  hat das unterdrückt, weil sie mit dieser Situation nicht zurecht kam und weil sie bestrebt war, sich so schnell wie möglich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. Durch den  Zeitabstand und das Verschwinden der ideologischen sowie staatlichen Grenze fängt sie  jetzt an, sich damit zu beschäftigen. Gleichzeitig fängt auch die tschechische Seite an, beide Seiten zu betrachten und ein schlechtes Gewissen zu entwickeln. Entweder sind sie Zeitgenossen, die diese Massaker mit eigenen Augen gesehen haben oder sie wissen einfach, dass hinter dem Dorf unschuldige Tote liegen. Gerade letzte Woche schrieb mir eine Frau aus Lysa an der Elbe in einem Brief, dass sie sich mit einem Massengrab der Kinder von Deutschen Frauen versöhnen müsse, die zwangsweise am dortigen Bauernhof gehalten wurden. Die Frau schrieb in ihrem vierseitigen Brief, dass sich dort irgendwo beim Wald ein Massengrab befände und sie wolle etwas dafür tun. Sie selbst , so schreibt sie, habe im Juli 1945 auf Verlangen einer Deutschen deren Kind, das den Hungertod erlitten hatte, begraben.

Haben wir denn überhaupt eine Chance die Wahrheit zu erfahren?

Zeitzeugen gibt es nur noch wenige. Über Jahrzehnte hat man es versäumt, sich systematisch diesem Thema zu widmen. Oft arbeiten wir nur auf der Grundlage ideologisch einfärbter Informationen. Ich suche die Wahrheit in der Begebenheit eines Menschen, der in die Geschichte verwickelt war. Ich habe nicht die Ambition irgendeine allgemeingültige Wahrheit zu finden. Ich möchte die Vorfälle der Menschen emotional verarbeiten, so dass auch ein Mensch mit ideologischen Vorurteilen begreifen kann, dass das Leben etwas komplizierter ist. Und ganz egoistisch tue ich es auch, um damit selber klar zu kommen.

Ihre erste Dokumentation aus der Nachkriegstrilogie „Töten auf Tschechisch“ hat eine Welle ablehnender Reaktionen hervorgerufen. Außerdem wurde Ihnen vorgeworfen, Sie seien von der Landsmannschaft bezahlt worden. Haben Sie daraufhin Ihre Arbeitsweise geändert?

In der Einführung betone ich etwas stärker die Kausalität der Vertreibung. Gezielt lasse ich im Film den Historiker Toman Brod sprechen, der die nationalsozialistische Gewalt selber erlebt hat,  aber seine humanistische Ansicht beibehalten hat.  Die erste Dokumentation war eine Aufklärung. Jetzt möchte ich mehr in die Tiefe gehen und konkrete Menschenbegebenheiten beschreiben. Danach habe ich auch die Orte ausgesucht. Oft habe ich mich gefragt, warum “Töten auf Tschechisch” solche Emotionen weckte. Mit diesem Thema befassen sich doch seit 20 Jahren so viele Leute. Wahrscheinlich deshalb, weil ich das einzige existierende Filmmaterial benutzt habe, das das Töten der deutschen Zivilisten nach dem Krieg zeigt. Die Kraft dieser Bilder weckte die Emotionen.

Die Deutschen haben bis heute Schuldgefühle wegen des Zweiten Weltkrieges. Sollten auch wir Schuldgefühle wegen der Ermordung der Sudetendeutschen haben?

Ich glaube ja. Auch wenn man die Ära verstehen kann, sollten wir die Grundregel respektieren, dass man ohne Gerichtsurteil nicht töten darf. Außerdem sollten wir  festhalten, dass es keine Kollektivschuld gibt..  Aber so etwas kann man nicht durch den  Staat anordnen.  Einen staatsorganisierten Prozess wie die Denazifizierung in Deutschland kann ich mir bei uns kaum vorstellen. Man muss es selbst erlebt haben, ich habe kein Rezept parat. .

Warum ist es für uns nachteilhaft, wenn ein großer Teil der tschechischen Gesellschaft davor immer noch die Augen verschließt?.

Wie in der Dokumention ein Mensch aus Bílina sagt, können wir dann unsere Kinder nicht in Wahrheit erziehen. Wenn sie die Geschichte ihrer eigenen Stadt nicht kennen, ihre Einwohner und das, was alles gaschah,  so  können sie keine vollwertigen und tolleranten Bürger werden.

Kann man heute vom Typ des tschechischen Schuldigen sprechen?

Es waren oft die Einheiten der Partisanen, die sich erst nach Kriegsende formierten mit  verdeckten Plünderungsabsichten.  Die Organisatoren waren oft Leute, die sich mit der Nazimacht eingelassen hatten und dann schnell auf den Zug der Nachkriegsmacht sprangen. Das gab dem Pöbel „grünes Licht“, der immer,  wenn es die Rechtsordnung und die Umgebung erlaubt, in allen Gesellschaften stiehlt und mordet. Leider war sich Benesch nicht bewusst, dass sich diese Leute in der Machtsphäre nachher etablieren würden. Oft waren es dieselben, die dann in den fünfziger Jahren den weiteren Terror kreierten.

Sie besuchten Ortschaften, wo unbekannte Massengräber liegen. Was haben diese Ortschaften gemeinsam?

Am Ende zeigte sich immer, dass es alle irgendwie wissen. Die dritte Nachkriegsgeneration ist da offener. Sie möchte eine tiefere Beziehung zu ihrer Region bekommen. Sie weiß, dass sie sich im Interesse ihrer eigenen Identität mit dieser dunklen Periode auseinandersetzen muss. Auf der anderen Seite sind es Kommunisten oder Leute, die im sozialistisch-beneschem Geist leben und die die Deutschen als den ewigen historischen Feind auf Leben und Tod quer durch die ganze Geschichte verstehen.

Welche Moral resultiert daraus?

Wir können denken was wir wollen, aber wir sollten Respekt vor den Toten und deren Angehörigen haben und die Orte, wo die Toten liegen benennen.  Das beinhaltet  das  Symbol der Versöhnung für eine Zeit, die tausend Interpretationen hat. Egal ob man Kommunist, Nazionalist oder verbitterter Sudetendeutscher ist, wir alle könnten uns darüber  verständigen, dass dort, wo die Toten liegen ein Kreuz mit den Namen der Toten stehen soll. Schlussendlich wird man sich daran gewöhnen und es wird ein Bestandteil der Landschaft werden, ähnlich wie z.B. in Ostböhmen, wo die Hügel voll bedeckt sind mit Denkmälern aus dem Krieg zwischen den Preussen und den Österreichern.  Es ist nämlich ein Bestandteil der Geschichte vor der man nicht weglaufen kann.

 

http://respekt.ihned.cz/c1-51588280-nad-hrobem-ma-byt-kriz-a-jmeno

P.S.

Premiere am 28.April 2011, ČT2 - 20:05 Uhr. J.Š.

 

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