Jan Šinágl angažovaný občan, nezávislý publicista

   

Strojový překlad

Nejnovější komentáře

  • 13.10.2019 16:59
    O kom se u nás nemluví. „První povinností vlády je chránit ...

    Read more...

     
  • 13.10.2019 16:57
    I za normalizace jsme to dokázali. 200.000 tisíc. Tolik se ...

    Read more...

     
  • 11.10.2019 14:46
    Někdy mě ty emoce, v tomto případě pláče, připomínají průvod ...

    Read more...

     
  • 10.10.2019 18:20
    Budování bez morálních základů buduje vždy jen zkázu.

    Read more...

     
  • 10.10.2019 18:17
    Dnes se dá říci, že hodně věcí komunisté "vybudovali" verbálně.

    Read more...

     
  • 08.10.2019 16:45
    Náš národ je bez paměti a bez zájmu. Hlavně, že je co ...

    Read more...


Portál sinagl.cz byl vybrán do projektu WebArchiv

logo2
Ctění čtenáři, rádi bychom vám oznámili, že váš oblíbený portál byl vyhodnocen jako kvalitní zdroj informací a stránky byly zařazeny Národní knihovnou ČR do archivu webových stránek v rámci projektu WebArchiv.

Citát dne

„Komunismus znamená v pravém a úplném smyslu bludné učení, že nikdo nemá míti žádné jmění, nýbrž aby všechno bylo společné, a každý dostával jenom část zaslouženou a potřebnou k jeho výživě. – Bez všelijakých důkazů a výkladů vidí tedy hned na první pohled každý, že takové učení jest nanejvýš bláznovské, a že se mohlo jen vyrojiti z hlav několika pomatených lidí, kteří by vždy z člověka chtěli učiniti něco buď lepšího neb horšího, ale vždy něco jiného než je člověk.“

Karel Havlíček Borovský ve svém časopise „SLOVAN“ 26.7.1850


SVOBODA  NENÍ  ZADARMO

„Lepší je být zbytečně vyzbrojen než beze zbraní bezmocný.“

Díky za dosavadní finanční podporu mé činnosti.

Po založení SODALES SOLONIS o.s., uvítáme podporu na číslo konta:
Raiffeisen Bank - 68689/5500
IBAN CZ 6555 0000000000000 68689
SWIFT: RZBCCZPP
Jan Šinágl,
předseda SODALES SOLONIS o.s.

Login Form

Aldringen D avers reversDiese zwei Kapitel sind in der tschechischen Ausgabe des Buches nicht erschienen?Aldringen Vune vzpominek avers

Die Völkerbundliga. Konrad Henlein

Im Jahre 1935 wurde mir die Leitung der »Sudetendeutschen Liga für Völkerbund und Völkerverständigung« übertragen. Die Liga war 1922 gegründet worden, anfangs leitete sie der Senator Wilhelm von Medinger. Er war ein kluger Politiker, ein guter Redner und vorzüglicher Organisator. Ich selber trat der Liga bei, ohne zunächst mich viel darin zu betätigen, da ich eine unerfreuliche Erfahrung gemacht hatte, und zwar gelegentlich einer Tagung der Ligen verschiedener Staaten in München Dort war, kaum vermeidlicher Weise, auch von den in die Frie­densverträge eingebauten Bestimmungen zum Schutz nationa­ler Minderheiten gesprochen worden. Ich hörte zu. Nach Prag zurückgekehrt, erhielt ich eine Warnung von dem Gesandten der Vereinigten Staaten, Mr. Lewis Einstein: Er rate mir, in Zukunft nicht mehr an solchen Tagungen teilzunehmen, an­dernfalls hätte ich bei der noch unerledigten Frage der Boden reform eine ungleich strengere Behandlung zu befürchten.

Aldringen D obsahMedinger starb 1934, was einen schweren Verlust für unsere Liga bedeutete. Sein Nachfolger wurde Dr. Friedrich Nelböck ein kluger und sehr fleißiger Obmann, der es ausgezeichnet vei stand, mit der von Dr.Jina geleiteten tschechischen Schwester Organisation zusammenzuarbeiten. Leider nun mußte Dr. Nelböck seine Stellung bald wieder räumen, da er zwar in Brünn beheimatet, aber österreichischer Staatsbürger war. Nun wurde jemand gesucht, der keiner politischen Partei angehörte, überhaupt in keiner Weise politisch tätig war. Im Vorstand der Liga befanden sich Vertreter aller sudetendeutschen Parteien. Ich weiß nicht, wer mich als Nachfolger vorschlug, jedenfalls nahm ich die Wahl an, die Liga arbeitete ja auch bestenWillens für eine Verständigung zwischen den Völkern oder Sprachgemeinschaften innerhalb der CSR, wie dies sich für eine Völkerbundsliga gehörte. In Sachfragen wurden wir von hervorragenden Gelehrten der Prager Deutschen Universität beraten, den Professoren Rauchberg, Spina, Kafka und Mayr-Hartung.

Aldringen ClaryAls Obmann hatte ich nun auch an internationalen Zusam­menkünften teilzunehmen; meist in Genf. Man lächelt heute über den Völkerbund von damals - wahrscheinlich weil es mit dieser Institution ein so jämmerliches Ende genommen hat - aber doch nicht ganz mit Recht. Die Gedanken, die Ideen, die Ziele, die waren ja alle gut, und es fehlte auch vielfach nicht an gutem Willen. Eines dieser Ziele war, den Haß zwischen den Völkern abzubauen; zunächst wurde daran gedacht, aus Schul- und Kinderbüchern das Ärgste auszumerzen, wodurch schon von früh an der Haß gezüchtet wurde. Ein Herr, der in Genf dieses Gebiet bearbeitete, zeigte mir sein Dossier — eine Zusammenstellung wahrhaft teuflischen Inhalts, ganz gleichgültig, ob das Material aus demokratisch regierten oder von Dikta­turen beherrschten Ländern stammte. Die Gegner in früheren Kriegen wurden als ewige Feinde gebrandmarkt, mit den ver­ächtlichsten Namen belegt und niedriger, eigentlich verbreche­rischer Gewohnheiten bezichtigt, so daß schon kleine Kinder glauben mußten, ein Krieg gegen solche Menschen sei eine ge­rechte Sache. Immer wieder mußte ich die Erfahrung machen: Der Nationalismus war die Gottesgeißel unseres Jahrhunderts, ihm waren auch solche schändlichen Ausgeburten der Pädago­gik zuzuschreiben. Selbst geistig hochstehende Menschen konnten sich der Krankheit des Jahrhunderts oft nicht entzie­hen. Vor dem Jahr 1914 kannte ich einen jungen Engländer, der in vielen Beziehungen hervorragte, als Sportsmann, als Dichter, auch als Soldat. Aber er neigte zur Gewalttätigkeit, war, außer in der Liebe, überhaupt nicht zart besaitet. Er fiel an der Westfront. Nach seinem Tod veröffentlichte seine Mutter ein Buch über ihn; darin erschien ein Brief meines Bekannten aus dem Feld, in dem er betonte, daß es ihm Spaß machte, deut­sche Soldaten totzuschießen. Im Gespräch mit einer belgischen Freundin bedauerte ich diese Veröffentlichung, worauf siemeinte: »Die Österreicher sind zu nichts fähig - sie können nicht einmal hassen!« Meine Antwort war: Wenn das richtig wäre, so könnte es mich nur ehren; sei nicht der heilige Franzis­kus ein besserer Lehrer als der Satan? - Ich weiß nicht mehr, was sie darauf geantwortet hat.

Aber zurück zu unserer Völkerbundliga. Durch sie lernte ich auch den rasch aufsteigenden sudetendeutschen Politiker Konrad Henlein kennen, gelegentlich eines Mittagessens, bei dem ich neben ihm saß. Er machte mir den Eindruck eines ruhi­gen, besonnenen Mannes, seine Stimme klang angenehm. Ein paar Jahre später, als er schon Obmann der Sudetendeutschen Partei war, hielt er Reden in den meisten Städten Deutschböh­mens, so auch, eines Sonntagabends, in Teplitz. Ich war dazu eingeladen worden, ließ mich aber entschuldigen; als Obmann der Völkerbundliga meinte ich an einer Parteikundgebung dieser Art nicht teilnehmen zu dürfen. Nun hatten wir ein paar Gäste zu Hause, darunter einen ausländischen Diplomaten und einen Verwandten, der sich entschieden als Tscheche fühlte. Diese beiden hatten starkes Interesse an Henleins Rede, konn­ten sich aber natürlich in der Versammlung nicht blicken lassen. Ich fand einen Ausweg: Der weite Platz, auf dem die Versamm­lung stattfinden sollte, war von einer Seite durch eine dichte Hecke begrenzt; hinter diese konnte man von dem nachts ver­sperrten Schloßgarten aus gelangen und, im Finstern sitzend, ungesehen zuhören. Wir taten das. Und wir waren alle von Henleins Rede beeindruckt. Natürlich vertrat er energisch die Sache der Sudetendeutschen; aber ohne Haß, ohne Demago­gie.

Kurz vor Ostern 1938 rief mich Jan Masaryk an, damals Ge­sandter der CSR in London, und fragte, ob wir ein Mitglied des House of Commons, Victor Cazalet, über die Feiertage zu uns einladen könnten, Cazalet sei bei ihm zu Gast, er selber aber genötigt, für einige Tage zu verreisen. Gerne nahm ich an, wir kannten Mr. Cazalet gut. Masaryk brachte ihn nach Teplitz und blieb zu Mittag; dabei vertraute er mir an, daß Cazalet den dringenden Wunsch habe, Konrad Henlein kennenzulernen. Das sei ja nun das Letzte, was ein Masaryk organisieren könnte; ob ich in der Lage sei, die heikle Sache zu übernehmen? Ichsagte zu und versuchte mein Bestes, aber es war nicht leicht, un­ser Ziel zu erreichen, weil Henlein durch Versammlungen äu­ßerst in Anspruch genommen war. Schließlich gelang es mir, eine Zusammenkunft am Ostermontag in Karlsbad zu verabre­den. Dorthin fuhren wir im Auto, von meinem ältesten Sohn begleitet, der nach der Unterredung Cazalet nach Prag zurück­bringen sollte. Wir trafen Henlein allein in einem Hotelzimmer. Ich glaubte, daß er erfreut und beeindruckt sein werde, mit ei­nem britischen Parlamentarier reden zu können, er schien es aber nicht im mindesten zu sein - ich wußte damals nicht, daß er schon zweimal in London gewesen war und dort mit einflußrei­chen Persönlichkeiten gesprochen hatte. Eine unangenehme Überraschung war, daß Henlein kein Englisch, Cazalet kein Deutsch verstand; so mußte ich als Dolmetscher einspringen und Fragen und Antworten laufend übersetzen. Cazalet suchte durch sehr direkte Fragen herauszufinden, welches nun eigent­lich die Ziele Henleins oder seiner Partei seien, er fragte geradezu, ob Henlein den Anschluß Deutschböhmens an das Reich erstrebe. Henlein antwortete in ruhiger und bedächtiger Weise ungefähr so: »Wir lassen uns nicht nur von unseren Gefühlen leiten, wir halten uns an das politisch Mögliche.« Offensichtlich hatte Cazalet von Henleins Persönlichkeit und Bestrebungen den gleichen Eindruck, den wir ehedem in Teplitz erfahren hat­ten. Mein Sohn Hieronymus brachte dann den englischen Politiker nach Prag zurück, direkt auf den Hradschin zu Jan Masa­ryk. Dort wurde ein Protokoll der Unterredung aufgenommen. Hieronymus durfte dabei mitarbeiten, er war ja während des Gesprächs in Karlsbad zugegen gewesen; die Sache interes­sierte ihn ungemein, er fühlte sich, wie er mir nachher erzählte, zum ersten Mal wie ein Politiker. Mein Sohn sprach fließend tschechisch; in dieser Sprache ließ ihn Masaryk mehrfach die Antworten Henleins wiederholen, die dann in das Memoran­dum eingetragen wurden.

Nun sah ich Henlein eine Zeitlang nicht. Während des Krie­ges erschien er einmal, jetzt als Gauleiter, in Teplitz und hielt einen Vortrag vor ein paar hundert Personen. Zusammen mit einigen anderen Grundbesitzern der Gegend saß ich in einer der ersten Reihen. Nach dem Vortrag bewegte Henlein sich unter den Gästen, von denen er einige begrüßte und ansprach. Die Gruppe, zu der ich gehörte, mied er, obwohl er uns mittlerweile natürlich recht gut kannte; er ging wortlos an uns vorüber. Im Moment war mir das noch nicht recht begreiflich. Ich verstand die Situation besser, als nicht lange danach ein tschechischer Verwandter von mir in eine bedrängte, ja gefährliche Situation geriet. Mein Gedanke war, Henlein um Intervention zu bitten. Ich telephonierte also nach Reichenberg und fragte, wann der Gauleiter mich empfangen könnte. Die Antwort: Er habe keine Zeit. . . Nun verstand ich. Henlein, trotz scheinbarer Macht, war umstellt; er durfte mit »Aristokraten« und anderen solchen internationaler Gesinnungen verdächtigen Menschen keinen Kontakt haben! Glücklicherweise gelang es dann Ver­wandten aus dem Reich, unseren tschechischen Vetter aus sei­ner fatalen Lage zu befreien.

Wieder verlief eine geraume Zeit, die Russen kamen immer näher, und damit das Ende. Ein Strom von Flüchtlingen wälzte sich nach dem Westen. Ende April oder Anfang Mai 1945 wurde ich eines Tages von einem Herrn angerufen, dessen Stimme ich nicht kannte und der auch keinen Namen angab, sondern mich nur bat, in das Teplitzer Hotel Dietrich zu kom­men, weil »der Konrad« mit mir reden wolle. Ich verstand ihn anfangs gar nicht recht, es klang wirklich unwahrscheinlich, daß es sich um Konrad Henlein handle. Jedoch ging ich in das Ho­tel, wo ich von dem Direktor und einem fremden Herrn in ein Zimmer geführt wurde, in dem tatsächlich Henlein mich erwar­tete. Er fing gleich an, von der Sache zu reden: Es sei ihm be­kannt, daß ich Beziehungen zu einflußreichen Personen in Eng­land und den Vereinigten Staaten habe; darum sollte ich mich ehestens zu General Eisenhower begeben und ihn in Henleins Namen auffordern, wenigstens diesen Teil von Deutschböh­men zu besetzen und so das Land vor den Russen zu retten. So­viel Ahnungslosigkeit verblüffte mich, kaum konnte ich glau­ben, richtig zu hören. Es war doch schon alles entschieden, zu Ende. Schonend antwortete ich ihm, daß ich meine Familie in einem so tragischen Moment nicht verlassen könne, daß außer­dem nicht die geringste Möglichkeit für mich bestehe, bis zu General Eisenhower vorzudringen, zudem hätte ich keinerleiVollmacht, mit dem General zu verhandeln! Darauf meinte er, die Vollmacht würde ich schnellstens erhalten. Er ging im Zim­mer auf und ab, offensichtlich in höchster seelischer Erregung. Plötzlich blieb er stehen, sah mich an, und nun brach ein Strom bitterster Anschuldigungen aus seinem Mund. Ich kann mich an seine Worte im einzelnen nicht mehr erinnern, der Sinn aber war dieser: »Ich habe das alles nie gewollt, sie haben mich ge­täuscht, sie haben mich erst belogen, dann haben sie mich ent­machtet, sie haben meinen Namen mißbraucht, zu sagen hatte ich längst nichts mehr . . .« und so noch anderes in diesem oder verwandtem Sinn. Die Szene erschütterte mich zutiefst. Es war mir deutlich, unbedingt deutlich, daß der Mann die Wahrheit sprach, so wie er sie eben erlebt hatte. Daß er ein moriturus war, konnte ich im Moment nicht wissen, obgleich fühlen - wenige Tage später nahm er sich dann das Leben.

Kurz nach dieser Unterredung erschien ein mir unbekannter Herr, der mir tatsächlich eine von Admiral Dönitz unterfertigte Vollmacht brachte, ein Papier, das mich zu Verhandlungen mit den Amerikanern berechtigen sollte. Diese Vollmacht ver­brannte ich alsbald, ebenso die Aufzeichnungen, die ich über mein letztes Gespräch mit Henlein gemacht hatte.

Noch heute glaube ich, daß diesem Manne Unrecht getan wurde. Er war nicht das, was man sich unter einem »National­sozialisten« vorstellt. Ein leidenschaftlicher Patriot wohl, aber ursprünglich maßvoll in seinen Ansichten und Zielen. Er hatte sich selber gemacht, war nicht von Leuten aus dem Reich ge­macht worden. Er geriet dann in einen Strudel, den er in keiner Weise beherrschen konnte; scheinbar mächtig, in Wirklichkeit nahezu ohnmächtig, mußte er geschehen lassen, was er mißbil­ligte oder gar nicht übersehen konnte, bis er plötzlich vor dem bitteren Ende stand, um zuletzt noch ausgerechnet vor mir sein Schicksal mit erschütternden Worten zu zeichnen. Vielleicht hoffte er, ich würde sie der Nachwelt weitergeben.

* * *

Der Präsident Beneš

Von der Not der dreißiger Jahre und von ein wenig Hilfe

Auch den damaligen Außenminister Eduard Beneš lernte ich bei dem Fürsten Friedrich Lobkowicz kennen. Der Onkel mei­ner Frau wurde im Jahre 1920 vom Apostolischen Nuntius in Prag gebeten, eine zwanglose Zusammenkunft mit Beneš zu ermöglichen; es standen nämlich die Beziehungen zwischen Prag und dem Vatikan nicht zum besten. Lobkowicz lud also den Nuntius und den Minister zu einem Abendessen ein, bei dem keine ändern Diplomaten gegenwärtig waren, nur einige Freunde und Verwandte. Ob bei den Gesprächen etwas Nützli­ches herauskam, weiß ich nicht. Möglicherweise war der Mini­ster schon darum verärgert, weil die französisch geschriebene Tischordnung einige Titel der Gäste aufwies; kurz nachher folgte ein strenges Verbot, Adelstitel zu führen.

Ich war recht neugierig, den Mann zu sehen, der so kräftig zu der Zerstörung meines Vaterlandes beigetragen hatte. Ich kannte sein widerliches Machwerk »Détruisez l’Autriche-Hongrie« und die von gefälschten Zahlen strotzenden Memo­randen, die Benešgelegentlich der Friedensverhandlungen in Paris vorgelegt hatte. Immerhin, seit Herbst 1918 war ich, ohne darüber befragt worden zu sein, Bürger der tschechoslowaki­schen Republik und Beneš also »mein« Außenminister. Den Eindruck eines bedeutenden Staatsmannes machte er mir auf den ersten Blick allerdings keineswegs: klein, unansehnlich, mit ganz abscheulichen Händen, aber mit schlauen Äuglein, denen nichts zu entgehen schien.

Die Begegnung fand während der Tage statt, in denen Polen durch die Gegenoffensive der Russen in höchste Gefahr gern ten war. Wir wußten, daß die Prager Regierung die Durchfuhrvon Munition aus Frankreich nach Polen nicht gestattet hatte. Nach dem Essen saß ich für eine kurze Weile neben Beneš und machte eine bedauernde Bemerkung über die gefährliche Lage des polnischen Heeres. Indem er mir antwortete, konnte er seine Freude darüber nicht verbergen, was ihn mir noch weni­ger sympathisch machte. Wie konnte ein so beschaffener Mensch es so weit bringen? Jan Masaryk erzählte mir einmal eine Begebenheit, die, bescheiden wie sie ist, doch zur Erklä­rung hilfreich sein mag. In Eisenberg, der Besitzung von Max Lobkowicz, sahen Jan und ich einmal tennisspielenden Gästen zu. Mir gefiel besonders das schöne und echt sportliche Spiel des britischen Gesandten Sir George Clerk. Da meinte Jan la­chend: »Da hätten Sie neulich ein Spiel zwischen Clerk und Beneš sehen sollen: Clerk mit seinem schönen Schlag und lan­gen Bällen, Beneš wie ein Wiesel hin und her sausend, die Bälle schneidend! Die Partie hat er aber gewonnen . . .«

Den Außenminister, später auch den Präsidenten, traf ich einige Male in den Häusern von Diplomaten, aber ins Gespräch kam ich nie mehr mit ihm.

Die bedeutendsten Industriegebiete Österreich-Ungarns la­gen, der Kohlenvorkommen wegen, in Nordböhmen und Nordmähren. Die Produkte dieser Industrien fanden ihren Ab­satz vor allem bei den 52 Millionen Einwohnern Österreich-Ungarns; viel ging auch in die Balkanländer, in die Türkei und nach Westeuropa, zumal nach England, Fertigwaren wie auch Halbfabrikate. Nun gehörten beide großen Industriegebiete zur CSR, einem bloßen Fragment der zerstörten Donaumonar­chie, einem Staat, der folglich überindustrialisiert und unbe­dingt auf den Export angewiesen war. Die Gründer des Kunst­staates mögen darin einen Vorteil gesehen haben. Leider belehrte dann die Weltwirtschaftskrise, die im Herbst 1929 be­gann, sie eines besseren oder schlechteren. Einen zweiten schweren Schlag bedeutete der Übergang Englands vom »Free Trade« zu einer Schutzzollpolitik. Alle sogenannten Nachfol­gestaaten, Polen, Ungarn, Jugoslawien, Rumänien, von deren Territorien früher große Teile zu Österreich-Ungarn gehört hatten, fühlten den verzweifelten Ehrgeiz, »autark« zu werden; so gingen viele Märkte verloren. Die Zahl der Arbeitslosennahm erschreckend zu, und die Arbeitslosenunterstützung war minimal. Ein entsetzliches Elend herrschte in den von Deutschböhmen bewohnten Gebieten. Die Gefühle dort wur­den um so bitterer, als die Menschen der Ansicht waren, daß gerade für sie in Prag äußerst wenig getan werde. In den tsche­chischen Teilen des Landes war die Not unvergleichlich gerin­ger. Die Regierung in Prag war vor allem bemüht, möglichst viel für die im tschechischen Gebiet liegenden Industrien zu tun. Waren, so fragte ich mich damals mit Staunen und mit Be­sorgnis, die Herren in Prag mit Blindheit geschlagen? Wußten sie nicht, daß Arbeitslosigkeit, Elend und Hunger am schlimm­sten gerade in den von Deutschböhmen bewohnten Gebieten längs der Grenze zu finden waren, während auf der anderen Seite dieser Grenze Menschen derselben Sprache lebten, die neuerdings, nämlich im »Dritten Reich«, wieder Arbeit gefun­den und durchaus genügend zu essen hatten? Bedachten sie nicht, daß die Hungernden, die recht wohl wußten, um wieviel besser es jenseits der Grenze zuging, auf Gedanken revolutio­närer Art kommen könnten?

Als Obmann der Bezirks Jugendfürsorge in Teplitz war ich sehr genau im Bild über die traurige Wirklichkeit und die von ihr erzeugten Stimmungen. Ich mußte auch beobachten, zumal bei meiner Arbeit für die Völkerbundliga, wie die Gegensätze zwischen den Landesbewohnern beider Sprachen immer bitte­rer wurden. Die Schulkinder in der Teplitzer Gegend waren so unterernährt, daß sie dem Unterricht nicht mehr folgen konn­ten. In Teplitz wurde eine Hilfsaktion in die Wege geleitet mit dem Ergebnis, daß die Kinder auf dem Weg zur Schule ein or­dentliches Frühstück erhielten und auch ein Päckchen für Mit­tag. Jede Familie übernahm so viele Kinder, wie sie sich irgend leisten konnte.

Besonders mußte mich das traurige Los der Heimarbeiter im Erzgebirge beschäftigen. Ihre wirtschaftliche Lage war schon längst schwierig gewesen. Schon während der letzten Jahre des ersten Krieges traten immer mehr Fälle von Hungerödem auf, eine Krankheit, die in unseren Gegenden seit dem Dreißigjäh­rigen Krieg nicht mehr bekannt gewesen war. das »Herren­haus« - das Oberhaus des österreichischen Parlaments – hattedamals eine Hilfsaktion für die Hungergebiete organisiert. Für unseren Bezirk wurde sie von meiner Mutter geleitet, so daß wir im Haus genaue Statistiken des Elends besaßen. Die Dörfer am Kamm des Erzgebirges hatten in Friedenszeiten ihre Le­bensmittel aus dem nahen Sachsen bezogen, von wo nichts mehr kam, und was Böhmen liefern konnte, wurde in den dichtbevölkerten Industriegebieten aufgesaugt. Die Heimar­beiter produzierten Holzschnitzereien und allerhand Gegen­stände aus Leder, Stoff oder Glasperlen. Dann gab es auch Ar­beiter, die Glasgegenstände aller Art kunstvoll gravierten. Die Einkäufer lieferten ihnen das Rohmaterial, dafür mußte ihnen die Fertigware verkauft werden; bei der Verrechnung verblieb den armen Leuten aber fast nichts.

Seit jeher war es auch mein Bestreben gewesen, Wege zu fin­den, um Tschechen und Deutsche einander näher zu bringen. So hatte ich mir einmal ausgedacht, Gruppen von tschechischen Studenten sollten, von deutschen Kommilitonen geführt, in den Sommerferien jene Elendsgebiete besuchen; auf der ändern Seite sollten von Tschechen geführte deutsche Studenten eine Natur- und Kunstreise durch Mittelböhmen unternehmen. Die Zusage vom Verein deutscher Studenten hatte ich schon, wenn sie auch mit einer gewissen Skepsis gegeben wurde. Vom Vor­stand der tschechischen Studenten erhielt ich eine glatte Absa­ge. Besonders traurig war es, daß Kleinkinder keine Milch mehr bekamen, die zwar in Böhmen reichlichst vorhanden war, aber von den armen Leuten nicht bezahlt werden konnte. Ich wälzte einen Plan nach dem anderen. Könnte nicht unsere su­detendeutsche Völkerbundliga die vergleichsweise reichen Ligen von England, Holland und Skandinavien um Geldhilfe bitten? Eine Tagung aller Ligen in London stand bevor. Da, natürlich gestützt auf wohlvorbereitete Denkschriften, wollte ich mein Glück versuchen. Vorher jedoch fragte ich unseren Ge­sandten in London, Jan Masaryk, was er von meinem Plan den­ke. Seine Antwort war sehr freundlich gehalten, aber er riet mir dringend ab: Die benötigte Dokumentation des Elends konnte als eine gegen den Staat gerichtete Aktion aufgefaßt werden und mir schweren Schaden tun. Also wieder nichts. Nun be­schloß ich, den Stier bei den Hörnern zu packen und Prag selberzum Zentrum der Bemühung zu machen. Es wurde ein Komi­tee von Damen und Herren aus unserer Gegend wie auch aus der Hauptstadt zusammengebracht, darunter auch Leute am Rande der Politik, sogar Politiker aller Parteien. Alle waren be­reit zur Zusammenarbeit. Der Plan war, zuerst einen möglichst großen Geldbetrag zu sammeln, damit die Waren der Heimar­beiter zu gutem Preis zu erwerben, um sie dann in einem Bazar zu verkaufen. Was da hereinkäme, wäre Reinertrag, und damit könnte Milch gekauft werden. Der Name der Aktion sollte »Milch fürs Kind« lauten. Um Geld in wirksamem Maß zu er­halten, war es offenbar notwendig, an die reichen Tschechen, Industrielle und Private, heranzukommen. Und dafür wurde eine prominente Persönlichkeit für das Protektorat über das ganze Unternehmen gebraucht. Warum nicht die Gattin des Präsidenten der Republik? Als ich diesen Gedanken mit eini­gen tschechischen Verwandten besprach, lachten sie mir ins Gesicht: das würde sie niemals tun! Ich wollte aber die Idee nicht aufgeben; meinen Bekannten mag ich damals so uner­träglich geworden sein wie eine immer wieder gespielte Gram­mophonplatte. Alle mit der Sache zusammenhängenden Daten und Zahlen hatte ich im Kopf; meine Argumente waren hieb- und stichfest; am Ende kam dann die Bemerkung, es handle sich um eine an sich zur Unruhe neigende Grenzbevölkerung. Ein Freund, Freiherr von Helversen, arbeitete damals in der Kanzlei des Präsidenten; für seine Mithilfe werde ich ihm im­mer dankbar bleiben. Tatsächlich erreichte er nach kurzer Zeit, daß Frau Beneš mich empfangen würde. Ich eilte nach Prag, der Tag wurde gleich festgesetzt. Sie erwartete mich in ihrem Se­kretariat, empfing mich sehr freundlich und in natürlichster Art, hörte sich meinen Wortschwall aufmerksam an. Zum Schluß bat ich sie, das Protektorat des Bazars zu übernehmen, das werde den Notleidenden das Gefühl geben, von Prag doch nicht verlassen zu sein. Ich ersparte ihr keine der harten Wahr­heiten. Immer wieder rief sie dazwischen: »Aber das ist ja schrecklich!« Offenbar hatte sie bis dahin von der großen Not in den Grenzgebieten überhaupt nichts gewußt. Nach über ei­ner Stunde meinte sie, das Protektorat annehmen zu können und sehr gerne, nur sei dafür die Einwilligung des Präsidentennötig. Binnen wenigen Tagen kam die Zusage, und wir konnten ernsthaft an die Arbeit gehen.

Öfters hatte ich erzählen hören, gerade bei großen Wohltä­tigkeitsunternehmungen sei zum Schluß ein fatales finanzielles Durcheinander entstanden. Darum war mein erster Gang zum Bankherren Petschek, den ich bat, für die finanzielle Leitung zu sorgen. Er hätte nicht freundlicher reagieren können und stellte mir zwei Herren seiner Bank zur Verfügung. Als ich etwas spä­ter Herrn Weinmann in Aussig um einen namhaften Beitrag bat, der bei Petschek einbezahlt werden sollte, lachte er und meinte: »Wissen Sie denn nicht, daß Weinmann und Petschek spinnefeind sind und seit vielen Jahren zwischen uns keine ge­schäftlichen Beziehungen bestehen? Aber in diesem Fall will ich das alles vergessen.« In den folgenden Wochen machte ich gegen hundert Besuche, die wichtigsten in Prag, bei den reichen Tschechen, den großen Gesellschaften und Industrien. Der Name Frau Hanna Benešova wirkte wie ein Zauberwort, be­sonders, wenn ich noch hinzufügte, daß ich ihr die Listen der Spenden vorlegen würde. Mit ganz wenigen Ausnahmen habe ich damals nur gute Erfahrungen gemacht.

Der Einkauf der Waren erfolgte durch die lokalen Wohltä­tigkeitsorganisationen, sowie durch Gruppen der Sudetendeut­schen Partei, die tüchtig mithalfen. Besonders wertvoll war mir die Hilfe des Abgeordneten Wenzel Jaksch und von Emil Fran­zei, wie auch von einigen jungen Mitarbeitern der SDP.

Zweimal wurde mir gestattet, am Prager Radio zu sprechen. Das erste Mal erlaubte man mir zu sagen, was ich wollte, selbst­verständlich war mein Text völlig unpolitisch. Vor dem zweiten Mal hatte offensichtlich jemand Mißtrauen gesät, denn ich mußte vorher eine Kopie meines Textes vorlegen. Als ich im Senderaum erschien, saß dort ein Herr von der Staatspolizei mit der Kopie in der Hand und teilte mir mit, daß er den Vor­trag sofort unterbrechen würde, falls ich von dem vorgelegten Text abwiche. Ich versprach ihm, daß ich dies bestimmt nicht tun würde, und fügte einen Scherz hinzu, aber in seinem leicht grimmigen Gesicht zuckte auch dann kein Muskel. Graf Wald­stein hatte uns den Garten des herrlichen Palais Waldstein zur Verfügung gestellt, dort wurden die Verkaufsbuden oder Zelteeinem Kosenstrauß empfangen und von uns beiden in den Gar­ten geführt, wo sie mit Interesse die Arbeiten der Heimarbeiter beschaute und namhafte Einkäufe machte. Als tüchtige Käu­fer hatten sich auch Damen und Herren der tschechischen Großindustrie eingefunden und Freunde und Verwandte von uns, die sich sonst von Angelegenheiten der Sudetendeutschen möglichst fernhielten.

Nach Stunden erst verließ Frau Benes den Bazar; ihr Besuch, mit Graf Waldstein und mir als Begleiter, war für die Kino­wochenschau gefilmt worden. Auf meine Dankesworte erwi­derte sie mir: »Ich habe meinem Mann alles erzählt, was Sie mir gesagt haben, er möchte es aber auch von Ihnen selber hören.« Das freute mich; es war mir sehr daran gelegen, dem Präsiden­ten über die Not in unseren Gegenden zu berichten. - Jetzt konnte sofort an den Ankauf der Milch gegangen und durch Monate an die Kleinkinder verteilt werden.

Im Ganzen ein Erlebnis, an das ich mit einer gewissen Wehmut zurückdenke. Es erscheint mir jetzt wie ein Aufflackern des al­ten böhmischen Gemeinschaftsgefühls in Prag, das so lange die Hauptstadt der Böhmen beider Landessprachen gewesen war und von beiden gleich geliebt; ein Wohltätigkeitsfest, von Deutschböhmen organisiert für die notleidenden Menschen im Erzgebirge unter dem Patronat der Gattin des Staatspräsiden­ten der CSR, auch von Tschechen besucht, die einkauften, und alle in Eintracht, wie es sich gehörte, wenn es sich um Wohltä­tigkeit handelte. Eine Begegnung wie jenseits des Kampfes und des Streites; und dies im Jahre 1937! Sie fand statt im Garten des Palais Waldstein, in dem einst der große Wallenstein resi­diert hatte und in dem die Familie noch immer wohnte, wo nochsein ausgestopftes Pferd zu sehen war, und das Zimmer, von dem aus Seni die Sterne beobachtete. Organisiert von einem Clary-Aldringen, aus der Familie des Feldmarschalls, der vor dem »Pilsener Schluß« mit Wallenstein gebrochen hatte, ebenso wie sein Schwager Gallas, aus welcher Familie nun auch eine Gräfin Clam Gallas anwesend war. Und ein Graf Buquoy war da, der Nachkomme des Generalissimus und Sieger in der Schlacht am Weißen Berg gegen den Winterkönig, von welch letzterem auch Nachkommen anwesend waren, wie auch solche Kaiser Ferdinands. Und Kinskys waren unter den Gästen, aus der Familie des Wilhelm Kinsky, der in Eger mit Wallenstein zugrunde ging, und Nachkommen von Terzky, und unter den servierenden Mädchen waren Nachkommen der Slawata und Martinitz, vom Fenstersturz. Und Czernins waren da, aus der Familie desjenigen, der nach der Schlacht am Weißen Berg am Altstädter Ring enthauptet worden war. An diesem Tag, an diesem Ort gab es wirklich keinen Haß; der Erfolg riß mich hin, etwas wie einen Silberstreifen am Horizont zu sehen.

Wenige Tage später begab ich mich in die Kanzlei des Präsi­denten, teilte einem der Herren die Bemerkung von Frau Be­nes mit und bat um einen Termin für meinen Empfang beim Präsidenten. Es wurde mir versichert, daß ich auf der Liste vor­gemerkt sei und das Datum rechtzeitig erfahren würde. Es ver­gingen Monate, immer wieder fragte ich an, erhielt aber nur nichtssagende Ausflüchte als Antwort. Offensichtlich sollte mein Besuch verhindert werden. Im Dezember starb der Leiter der Kanzlei des Präsidenten; kurz darauf erhielt ich die Einla­dung für meine Frau und mich zum Tee am Hradschin. Als ich zu einem der Herren der Kanzlei bemerkte, daß ich nicht recht verstünde, warum erst nach sechs Monaten, erhielt ich die Antwort: »Solange X. am Leben war, wären Sie niemals emp­fangen worden!« Bei unserer Ankunft wurden meine Frau und ich in einen Salon geführt, der mit erlesenem Geschmack einge­richtet war, voller schöner Blumen und mit prächtigen Gobe­lins an den Wänden. Meine Frau saß mit Frau Benes auf einem Sofa, am anderen Ende des Zimmers der Präsident und ich in Armstühlen, mit einem Teetischchen zwischen uns. Es sollte offenbar eine rein private Konversation sein. Ich trug ihm wieder die Lage in unseren Grenzgebieten vor und sparte nicht mit traurigen Bildern. Besonders betonte ich auch, wie bedenklich die allgemeine Mißstimmung angesichts der für das nächste Jahr bevorstehenden Wahlen doch sei. Und ich erlaubte mir ei­nen Vorschlag. Wenn der Präsident etwa nach Teplitz käme und vom Balkon des Rathauses zu den Menschen reden würde, ihnen Hilfe versprechen würde, so könnte das von größter Wichtigkeit sein. Einen Marktplatz voller Zuhörer konnte ich ihm garantieren. Die Antwort meines Gastgebers kam in her­ablassend professoralem Ton. Die Wahlen, belehrte er mich, würden überhaupt nichts ändern. Die sudetendeutschen Arbei­ter würden immer für die sozialdemokratische Partei stimmen, die Bauern für die Agrarier, die Bürger für die Liberalen und - dies mit leisem Lächeln - »Ihre Kollegen vom Großgrundbesitz für die Christlichsozialen, wie auch alle alten Frauen.« Nun, bei den nächsten Wahlen erhielt dann die Sudetendeutsche Partei fast 80 Prozent aller Stimmen! Mit Präsident Benes, soviel ver­stand ich, war nichts zu machen. Hatte er sich in Gedanken nie von seinem »Détruisez TAutriche-Hongrie« gelöst? Er wollte ja Krieg gegen Ungarn führen, falls Kaiser Karl in Budapest re­gierte. Und er hat zu Dr. Franzel gesagt, daß er lieber den Hitler als einen Habsburger in Wien sähe!

Wie hat er später gedacht und gefühlt, nach seiner ersten, nach seiner zweiten Entmachtung? Ein Mann der kleinen Fi­nessen mag er gewesen sein; ein auch schweren Situationen ge­wachsener Staatsmann niemals.

 

Jan Šinágl, 7.2.2016

Furcht vor der Wahrheit?

Strach před pravdou

1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Rating 5.00 (2 Votes)
Share

Komentáře   

0 #1 Böhmerlangi 2016-02-23 14:46
Ein interessanter Auszug aus dem Buch von Clary-Aldringen , das auch in meinem Bücherschrak steht. Gerade diese Abschnitte wären für Tschechen interessant gewesen.

Komentovat články mohou pouze registrovaní uživatelé; prosím, zaregistrujte se (v levém sloupci zcela dole)